Posts mit dem Label Denk-Bar werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Denk-Bar werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 29. März 2020

Eigene Wahl



Ruhe und Unruhe leben gleichermaßen in mir.
Ich darf wählen, welcher von beiden ich folgen möchte.
Oft genug vergesse ich das. Dann plustert sich die Unruhe auf, macht sich wichtig, braucht Bestätigung. Sie ist laut, aber leer.
Die Ruhe macht dagegen das, was sie immer macht: sie bleibt ruhig.
Und ist kraftvoll.
Ich wähle wieder.

Samstag, 4. Januar 2020

Friedliebende Kämpferin


Ich praktiziere Kampfkunst und will doch Frieden überall.
Ich könnte mich damit rausreden, dass Aikido lediglich zur Selbstverteidigung dient und niemals angreift. Das wäre schein-heilig, denn zum Üben der Abwehr, erlernte ich anzugreifen. Was ehrlicher ist: die Kampfkunst lehrte und lehrt mich viel über meine versteckten, verletzenden Eigenschaften, brachte meine Kampfwut an die Oberfläche. Wut auf das Kämpfen und Wut, die mich stetig kämpfen ließ. Ein Tier, dass in meinen Tiefen hauste, dem ich mich aber stellen lernte. Ich wurde mutig, ihm in die Augen zu sehen und seine Mordlust zu erkennen. Ich erlebte mich in Konkurrenzneid gefangen, ich sah Kleingeist und Engherzigkeit, Rechthaberei und Misstrauen. Ich könnte endlos aufzählen. So erfuhr ich letztlich, dass ich bei aller Kämpferei nur gegen mich selbst am ärgsten kämpfte, ich mein bester Feind war. Doch immerhin konnte ich auch sehen, dass dieser Feind nur ein Teil von mir war. Ich musste ihn nur beim Namen nennen. Seine Verkleidung war gut, doch ich hieb und boxte mich durch all seine Rüstungen und Schleier, bis ich ihn nackt sah. Er heißt Angst. Alle Zusätze, die sich die Angst so zulegt, wie Verlassensangst, Existenzangst, Todesangst – egal, wovor es möglich ist Angst zu haben, egal auch mit welcher Begründung: es ist immer wieder nur sie. Und sie will mich besitzen. Doch wer von ihr beherrscht wird, kann nicht zum Frieden kommen.
Und so will ich sie lassen und dennoch ist sie da. Erst hatte ich Angst vorm Kämpfen, jetzt habe ich Angst, das Kämpfen zu lassen. Nicht gegen Menschen, die anders denken; nicht gegen die Schmerzen und Malaisen meines Körpers; nicht einmal gegen meine dümmsten Gedanken will ich mehr kämpfen. Ich trainiere mir Mut an. Mut zur Geduld und zum ehrlichen Sein. Ich übe auf der Matte und im Alltag. Ehrlich sein heißt nicht nur, meine schlechten Eigenschaften sehen, sondern auch meine Aufbauenden. Ehrlich sein bedeutet für mich, Gedanken, Gedichte, Geschichten in die Welt zu lassen. Und ehrlich will ich sein, meinen Glauben zu zeigen. Ein Glaube an die eine universelle reine Kraft, die sich wie Liebe anfühlt, wie Leuchten aussieht und wie unendlicher Friede Stille bringt.

Sonntag, 10. Februar 2019

Im Universum


„Hab keine Angst vor dem, was du bist“, singt der Rapper Curse und diese Liedzeile trifft mich, weil sie mich betrifft.
Ich schau mich um und lerne, wie wichtig es ist, zu mir zu stehen. Denn dort, wo ich wirklich bin, ist das ganze Universum, ist Gott. Verleugne ich mich mit meinen Fähigkeiten, verleugne ich die Kraft des Schöpfers, wie auch immer er/sie genannt wird. Das macht mich klein, reduziert mich auf einen Körper, der so nichtig ist, dass er, kaum geboren, bereits wieder dem Zerfall zufällt.
Nur Energie bleibt, wandelt sich und schwingt unendlich.

Montag, 2. April 2018

Winterschlaf



Ich glaube, der Winter hat voll verschlafen. Nun ist er aus irgendeinem Grunde wach geworden und hat sich brummelnd auf den Weg zu uns gemacht. Schnell noch bisschen Schnee und Eis auf die Erde bringen, um dann sofort wieder weiter zu schlafen. Winterschlaf halten.
Vielleicht hat ihn auch Frau Holle genervt mit ihrer ewigen Totterei. „Kannst du endlich mal ein paar Minusgrade rausrücken, ist ja nicht zu machen. Kaum schütteln wir die schönsten Schneeflocken aus den Betten, werden sie zu pieseligem Nieselregen. Selbst Goldmarie ist schon depressiv und das will was heißen.“ Bislang konnte der alte Winter noch mit Ausflüchten kommen, wie: „Ja du hast eine Hilfe, ich muss das allein stemmen und bin schon so uralt. Ich hätte gern einen Goldmarius, nicht mal Väterchen Frost aus Russland hilft noch gern, wenn es um Westeuropa geht.“ Doch diese Sätze helfen ihm nicht, Frau Holle ist grantig. Nicht einen Löffel Eis gibt sie ihm. Also bindet er den Nordwind los, zieht ein paar Minusgrade aus dem Ärmel und schaut zu, wie Frau Holle und Goldmarie eifrig ihre Betten ausschütteln.
Es könnte auch ganz anders gewesen sein. Der Winter hat einfach zu viel damit zu tun, sein angestammtes Reich kühl zu halten. Sein geliebter Nordpol, Grönland, die hohen Gebirgsketten der Erde – alle fangen an, sich wärmer zu fühlen. Vermutlich hat sich der Winter nur deshalb noch einmal Zeit für uns genommen, um uns daran zu erinnern, wie schön eine weiße Winterlandschaft aussehen kann und wie selbst Erwachsene wieder zu kindlichen Freuden komme, wenn sie im Schnee herumtoben oder Figuren formen. Wir sollen das nicht vergessen und dem alten Herren irgendwie helfen.
Es gibt vermutlich noch eine ganze Reihe anderer Erklärungen, und weitaus wissenschaftlichere, für dieses weiße Osterfest. Es liegt stets im Auge des Betrachters, wie er oder sie sich die Welt zurechtrückt. Ich bin bekannt dafür, sie mir immer wieder schön zu reden. Häßlich und schlecht wird sie schon ausreichend von anderen Menschen gesehen. Nur, um das Gleichgewicht herzustellen, braucht es immer wieder Leute, die sich die rosarote Brille aufsetzen. Ich also nutze die terminfreien Ostertage, höre den Geschichten zu, die sich mir erzählen und gebe sie an die Welt weiter.
Wer Ohren hat, zu hören…

Sonntag, 14. Januar 2018

Junger Geist im alten Menschen



Junges Bleiben, also ewig ein Junges sein? Pubertierend, kindisch, dem eigenen kleinen Tyrann unterworfen? Ich glaube, Mensch kann nur jung werden. Ich treffe so oft auf, nach Jahren jungen, Menschen, die sind uralt im Denken. Festgesteckte Sichten auf die Welt und ebensolche Ziele fürs Leben. Da bleibt kein Raum für Murmeln im Kopf, die munter herumrollen und alles neu ansehen können bzw. neu angesehen werden. Das klingt wie ein Verurteilen, doch ich meine das nicht so streng. Ich weiß genau, wie ich als 20Jährige daherkam. Mit welch fantastischen Sätzen warf ich um mich, verhöhnte die Alten ob ihres Weltbildes und wusste alles besser. Doch im Innern war ich unsicher. Ich konnte es mir einfach nicht erlauben, über mich zu lachen, meinen Blick auf die Welt täglich zu verändern, je nach Erfahrenem neu zusammen zu setzen oder eben auch mal etwas offenen Ausgangs zu lassen. Ich stand auf stets schwankendem Boden, dem Unwissen machtlos ausgesetzt. Mir scheint, als wäre es natürlich, im Kopf jünger zu werden im Sinne von lebendiger, je älter man wird. Den Geist öffnen, sich selbst widersprechen, weil es neue Einsichten gibt, neugierige Blicke auf Unsichtbares zu werfen – für das alles braucht es wohl doch ein gewisses Maß an Lebensjahren und die berühmten durchlebten Höhen wie Tiefen. Sich selbst vertrauen können und schon oft erlebt haben, dass vieles und viele (einschließlich ich selbst) viel zu wichtig daherkamen, um letztendlich als Bagatelle zu enden.
Auf der einen Seite sind wir Menschen ja nur winzige Rädchen im Getriebe der Ewigkeit, so dass es recht sinnlos erscheint, sich das Leben mit hohen Problemtürmen schwer zu machen. Auf der anderen Seite sind wir Rädchen, die sich eben drehen müssen; immer und immer wieder, wenn sie im Lauf der Geschichten mitmachen möchten und nicht durch Festhalten kaputt gehen.
Also ich befinde mich mit meinen 58 Jahren genau im richtigen Alter, um das junge Denken zu trainieren. Mit den Augen aus der frühesten Kinderzeit will ich auf mein Umfeld schauen und so lebendig werden.

Bruder und Schwester



Es gibt da einen, den ich habe ich erst jetzt erkannt und mir benannt: der natürliche Verstand. Er ist der kleine Bruder der Intuition. Er lässt mich menschlich handeln. Das kann er allerdings nur deshalb, weil er sich von seiner Schwester Rat und Führung holt. Sie ist weiser als er. Kunststück! Wie viel länger ist sie schon auf dieser Welt! Außerdem hat sie den direkten Draht zum großen Geist.
Bislang dachte ich, Verstand und Herz können nie zusammen kommen. Verstandes-Menschen sind kühl und herzlos, herzliche Menschen wiederum wirken schnell naiv und weniger intellektuell. Doch ich sah ja nur auf den künstlichen Verstand, der sich seiner hohen Intelligenz rühmt und im Leben herumstelzt, als könne ihm nichts und niemand das Wasser reichen. Dabei ist das Nicht so viel größer als er! Aber das ist eine andere Geschichte.
Sehe ich zu ihm, dann stelle ich ihn mir eher als verknöcherten Onkel des natürlichen Verstandes vor, angestaubt und taub. Das kann jedoch nicht sein, er muss jünger sein, kam erst viel später auf die Welt. Egal, nur eines ist mir wichtig: ich will mich nicht mehr an ihn halten. Wegen ihm vergaß ich meine innere Stimme die aus dem Herzen zu mir sprach. Das Herz wurde ungehalten, verhaspelte sich in fremden Rhythmen. Erst jetzt, wo ich ihm zuhöre, seinem Takt folge und so Zugang und Vertrauen zur Intuition bekomme, wird es wieder ruhiger. Gleichmäßig schlägt es: „Bimm, bimm, bimm“. Meine Gedanken kommen aus dem Bauch und der Verstand ordnet sie freudig, so dass sie zu anderen sprechen, sie berühren können.
Ich werde Mensch.